Förderpreis für Facharbeit zur High-Flow-Sauerstofftherapie

Förderpreis für Facharbeit zur High-Flow-Sauerstofftherapie

Stipendiat Florian Keller hat für seine Facharbeit zur nasalen High-Flow-Sauerstofftherapie den Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) erhalten.

Wenn Florian Keller (45) die Schichtleitung auf der internistischen Intensivstation des Augsburger Universitätsklinikums hat – ist alles gut organisiert. Besonders gerne leitet er Kollegen an und engagiert sich in Arbeitsgruppen zum Thema Beatmung. Florian Keller ist seit über 20 Jahren Krankenpfleger aus Leidenschaft und Kollegen und Vorgesetzte schätzen sein Organisationstalent. Atmung und Beatmung haben ihn schon seit seiner Krankenpflegeausbildung  fasziniert und 2000 auf die Intensivstation geführt. So fasste er vor drei Jahren den Entschluss, die Weiterbildung zum Atmungstherapeuten zu absolvieren. Ein Atmungstherapeut ist darauf spezialisiert, Menschen mit Atemwegs-, Lungen- sowie anderen die Atmung beeinträchtigenden Erkrankungen professionell zu versorgen. 

„Aus meiner Sicht ist der Einsatz von Atmungstherapeuten auf Intensivstationen sinnvoll, um – in enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegekräften, Logopäden usw. – die atmungsbezogenen Maßnahmen optimal zu planen und durchzuführen.“ Trotzdem ist diese Berufsgruppe auf Intensivstationen unterrepräsentiert. Auf vielen Intensivstationen gibt es bis heute keine Atmungstherapeuten. Seine Aufgaben sind von einem hohen Verantwortungsgrad und Selbständigkeit geprägt. Im Rahmen der Beatmung hat ein Atmungstherapeut die Verantwortung für diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Mögliche Schwerpunkte auf der Intensivstation sind die Differenzierung von Störungen der Atmung, die Sauerstoff- und Inhalationstherapie, die Steuerung der maschinellen Beatmung, das Trachealkanülenmanagement sowie die Schulung und Anleitung von Mitarbeitern.  

Der Augsburger suchte für die teure Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) Unterstützer. Zwar wurde sie vom Arbeitgeber bezahlt, aber die Reisekosten zu den Weiterbildungsstätten in München, Bad Berka und Schönau am Königssee stellten für den Familienvater eine Herausforderung dar. Ein Kollege empfahl ihm, Kontakt zur Braun-Stiftung aufzunehmen. Die Stiftung fördert Fort- und Weiterbildungen nach Studium oder Ausbildung. „Ich stellte einen Online-Antrag auf Förderung, legte die Beschreibung der Fortbildung bei, die bestätigte Förderung durch meinen Arbeitgeber und zwei Beurteilungsschreiben“, beschreibt Keller den unkomplizierten Bewerbungsvorgang. „Durch unsere Teil-Unterstützung konnten wir Herrn Keller den wichtigen beruflichen Entwicklungsschritt ermöglichen“, sagte Professor Alexander Schachtrupp, Geschäftsführer. 

Während der zwei Jahre der Weiterbildung opferte Keller viele Stunden seiner Freizeit. Berufsbegleitender Blockunterricht und Hospitationen wechselten sich ab. Dann noch für die Facharbeit  und Praxis, Praktikum  – insgesamt fast 70 Tage verbrachte er in München Bad Berka und in Schönau am Königssee. Für seine Facharbeit wählte der Intensivpfleger das Thema der nasalen High-Flow-Sauerstofftherapie (nHFOT). Das ist eine besondere Atmungstherapie für Patienten, die nicht beatmet werden. Dabei werden einem Patienten pro Minute bis zu 60 Liter eines erwärmten und angefeuchteten Luft-Sauerstoffgemischs über großkalibrige Nasenkanülen zugeführt. Sie vermindert die Atemarbeit des Patienten und kann unter bestimmten Umständen eine ansonsten notwendige Beatmung vermeiden. „In ausgewählten Situationen kann sie eine leistungsfähige, für Patient und Personal komfortable Atemhilfe auf der Intensivstation sein. Auch wenn bislang die Anwendung noch nicht ausreichend untersucht worden ist.“ Keller hat seine Erfahrungen in seine Facharbeit eingebracht, denn die nasale High-Flow-Sauerstofftherapie (nHFOT) steht seit Herbst 2018 auf den internistischen Intensivstationen des Universitätsklinikums Augsburg zur Verfügung.

Florian Keller hat seine Weiterbildung mit Auszeichnung bestanden und erhielt für seine Facharbeit sogar den mit 500 Euro dotierten Förderpreis der DGP. Dieser sollte ihm eigentlich im Juni auf dem  Kongress der DGP überreicht werden. Doch hier machte Corona einen Strich durch die Rechnung.  „Der Preis wurde mir jetzt virtuell verliehen; die Urkunde per Post“, sagt Florian Keller. Das ist aber eigentlich nicht mehr so wichtig. Er freut sich darauf, jetzt als Atmungstherapeut arbeiten zu können. „Menschen nach der Beatmung zurück ins Leben zu helfen oder sie an der Beatmung zu unterstützen, ist eine schöne Aufgabe und hat gerade in dieser Zeit von Covid-19 eine besondere Bedeutung.“