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Unsere Presseinformationen auf einen Blick

28.10.2016

Fortbildung für Pflegende macht stark

Zusammen sind wir stark – das wurde den rund 1200 Teilnehmern auf der Fortbildung für Pflegende vermittelt. Ausgewählte Experten forderten die Teilnehmer auf, sich für ihre Interessen einzusetzen.

Zusammen sind wir stark – das wurde den rund 1200 Teilnehmern auf der Fortbildung für Pflegende vermittelt. Ausgewählte Experten aus der Pflege hielten am 7. Oktober im Kongress Palais Vorträge zu aktuellen berufspolitischen und pflegefachlichen Themen. Die Referenten forderten die Teilnehmer auf, sich für ihre Interessen zu engagieren: “Gute Pflege braucht nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch gute Rahmenbedingungen, dazu gehören ein angemessener Personalschlüssel, ausreichende Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung, aber auch Anerkennung und Wertschätzung“, erklärte Professor Michael Ungethüm, Vorstandsvorsitzender der B. Braun-Stiftung in seiner Begrüßung.

Für eine aktive Mitgestaltung der eigenen Zukunft und Weiterbildung warb der Direktor des Pflege- und Patientenmanagements der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, Joachim Prölß. Er kritisierte, dass Pflege oft zu negativ dargestellt würde und hielt ein „Plädoyer für die Pflege“. Prölß prophezeite, dass die „goldenen Jahre“ der Pflege noch kommen würden, es dazu aber sowohl motivierte Pflegende, als auch mehr Pflegemanager bedürfe. Er appellierte dazu, mehr Berufsstolz zu entwickeln und positiv in die Zukunft zu blicken. Sein Motto lautete: „ Be proud to be a nurse“.

Das untermauerte Prof. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung, mit Daten aus der Forschungsreihe „Pflege-Thermometer“. Sie zeigten, dass es neben der Pflegeforschung vor allem organisierter Macht bedürfe, um die Pflege dauerhaft voranzubringen. In anderen Ländern Europas seien die Pflegenden wesentlich besser organisiert und in einer stärkeren Position. Darüber hinaus warb er für eine generalistische Ausbildung der Pflege: „Eine Pflegebildungsreform ist dringend notwendig!“

Für die organisierte Weiterentwicklung der Pflege steht die Gründung der ersten Pflegekammer in Rheinland-Pfalz, die inzwischen bereits 37.500 Mitglieder hat. Damit ist eine unabhängige Interessenvertretung geschaffen worden, die gegenüber der Politik eine Stimme hat. Um zukünftig Gemeinsamkeiten noch deutlicher vertreten zu können, plädierte der Präsident der ersten Pflegekammer in Rheinland-Pfalz, Dr. Markus Mai, für einen Pflegegipfel mit Berufsverbänden und Gewerkschaften. „Wir müssen gemeinsam überlegen, was gut ist für unseren Berufsstand“, so Mai. Auch der Aufbau einer Bundespflegekammer sei ein logischer Schritt.

Neben pflegepolitischen Themen bot die Fortbildung auch pflegefachliche Inhalte. Die Referenten stellten dabei die Einbeziehung der Psyche in das therapeutische Handeln in den Fokus. Die Seele als Bewegungsmotor zu nutzen - dafür warb Dr. Angelika Zegelin vom Department für Pflegewissenschaft. Sie stellte anhand von Beispielen vor, dass Mobilität im Alter schon dadurch erhöht werden könne, wenn das Umfeld motivierend wirke. Sie betonte, dass ein Blick in die Vergangenheit oft weiterhelfe, Antriebe zur Bewegungsförderung zu finden. Erst wenn die Seele in Bewegung wäre, könne auch der Körper mobil werden, so Zegelin.

Wie wichtig es ist, auch die eigene Seele zu pflegen, betonte Frau Dr. Maja Storch in ihrem Vortrag. Die Diplom-Psychologin mahnte, dass ein Zuviel an Selbstkontrolle auf Dauer krankmache und Pflegende deshalb gut beraten seien, neben der Pflege anderer Menschen auch sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren. Als wesentlich sah sie hierbei vor allem an, im Arbeitsalltag ruhig einmal „Moment“ zu sagen, um sich kurz über seine Motive und Emotionen klar zu werden. So könne man sinnvolle Kompromisse für sich selbst finden und sich vor Arbeitsüberlastung schützen. Außerdem wurde das Konzept der „Wunduhr“ zur besseren Einschätzung von Wunden vorgestellt, für das Tabu-Thema „Gewalt von Pflegenden“ sensibilisiert und der Schamaspekt beim Thema Inkontinenz behandelt.

Übrigens: Seit letztem Jahr wird auf der Fortbildung für Pflegende auch aktiv Forschung betrieben. So wurden die Teilnehmer im letzten Jahr vom einem gemeinsam mit dem betriebsärztlichen Dienst der Universität Frankfurt entwickelten Fragebogen zum Thema Nadelstich befragt, dessen Auswertung jetzt veröffentlicht wird. In diesem Jahr kam eine Umfrage zur Gewalt in der Pflege dran, die vom Deutschen Institut für Pflegeforschung (DIP) ausgewertet wird.

Mit der Fortbildung für Pflegende hält die B. Braun-Stiftung bewusst ein kostenloses Fortbildungsangebot für Pflegepersonal aus allen Pflegebereichen aufrecht. So können sowohl erfahrene Pflegekräfte als auch Pflege- und Altenpflegeschüler diese überregionale Pflegeveranstaltung zum Austausch mit Referenten und Kollegen nutzen. Die Stiftung trägt damit weiterhin zur Qualifizierung von Pflegenden bei, die bei Fortbildungen zunehmend weniger durch die Arbeitgeber freigestellt bzw. unterstützt werden. In diesem Jahr galt dies auch zum ersten Mal für die Fortbildung für Pflegende, die 200 Teilnehmer weniger als sonst zu verzeichnen hatte.

Die Veranstaltung gilt weiterhin als eines der besucherstärksten Pflegesymposien im deutschsprachigen Raum. Die Programmplanung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion von Deutschlands größter Pflegefachzeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“.


Zu den Interviews mit den Referenten http://fortbildung-fuer-pflegende.de/