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Unsere Presseinformationen auf einen Blick

06.10.2015

Themen, die die Pflege bewegen: 1500 Pflegende trafen sich am 2. Oktober auf der 37. Fortbildung für Pflegende in Kassel zum Erfahrungsaustausch

37 Jahre Erfolgsgeschichte: Das Programm der Fortbildung für Pflegende reichte von berufspolitischen Fragen von heute und der Zukunft über Infektionsprävention, Pflegethemen bis Kommunikation.

Das diesjährige Programm der 37. Fortbildung für Pflegende reichte von berufspolitischen Fragen von heute und der Zukunft über Infektionsprävention, aktuelle Pflegethemen und bis zu Patientenkommunikation im Berufsalltag. Die Vorträge zeigten, wie facettenreich der Pflegeberuf ist und wie er im Hinblick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen an Bedeutung gewinnen wird. „Die Pflege verfügt über ein großes Potenzial, die Behandlung von Patienten sicherer und auch wirtschaftlicher zu gestalten. Das gilt es weiter auszubauen“ forderte der Geschäftsführer der B. Braun Stiftung, Prof. Dr. Alexander Schachtrupp in seiner Begrüßungsrede. Die Fortbildung für Pflegende gilt mit rund 1 500 Teilnehmern als eines der besucherstärksten Pflegesymposien im deutschsprachigen Raum.


Die Pflege wird in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen können und müssen. Prof. Christel Bienstein der Universität Witten/Herdecke hat in ihrem Eröffnungsvortrag den Zuhörern des bis auf den letzten Platz gefüllten Congress Palais dargelegt, welche Herausforderungen auf sie zukommen werden: „Differenzierung und deutliche Zunahme der Fachlichkeit kennzeichnen die Zukunft “, sagte die Pflegewissenschaftlerin. Rasch fortschreitende Veränderungen erforderten einen Skill- und Gratemix, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und neue Versorgungsformen mit zu gestalten.


Für diese Herausforderung muss heute bereits die Grundlage geschaffen werden. Das forderte der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR) Andreas Westerfellaus in seinem Vortrag zur Gesundheitsreform und den Konsequenzen in der Pflege. Diese Entwicklung werde aber in den Gesundheitsreformen von heute allerdings nicht ausreichend berücksichtigt. So gebe es von der Bundesregierung keine Lösungen, wie sie den dramatischen Fachkräftemangel lösen wolle. „Menschen pflegen Menschen, und das in allen Sektoren und Lebenslagen. Dazu brauchen wir eine ausreichende Anzahl an Fachkräften - mit hoher Qualifikation und entsprechender Honorierung.“, forderte Westerfellhaus. Sonst würden alle Reformen im Ansatz scheitern.


Zum Pflegeberuf gehört auch, für sich selbst zu sorgen. Professor Sabine Wicker, Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes des Universitätsklinikums in Frankfurt erläuterte in ihrem Vortrag, wie das Pflegepersonal das Infektionsrisiko für sich, und damit auch für ihre Patienten, minimieren kann. „Einen besonderen Stellenwert nehme die Vermeidung nosokomialer Infektionen ein. „Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben eine erhöhte Infektionsgefährdung“, erklärte die Betriebsärztin. Die Abteilungen Krankenhaushygiene und Arbeitsmedizin müssten das gemeinsame Ziel der Infektionsprävention verfolgen. Mitarbeiterschutz sei Patientenschutz, Patientenschutz sei Mitarbeiterschutz. Wicker nannte als wichtige Maßnahmen Impfungen, Postexpositionsprophylaxe, sichere Instrumente zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen, Schutzausrüstung wie Handschuhe, Mundschutz, Schutzkittel, Verhaltensprävention und konsequente Wissensvermittlung über nosokomiale Infektionen. Wie das gehen kann, ohne in Aktionismus zu verfallen, der alle Akteure nur verunsichert, hat Hygienespezialist und Antibiotic Stewardship-Experte (DGKH) Bernd Gruber aus Osnabrück erklärt: „Hygiene Management in Institutionen des Gesundheitswesens wird immer wichtiger“, sagt der Experte. Wichtig sei, die für den Infektionsschutz als notwendig identifizierten Maßnahmen stringent umzusetzen. Das Personal müsse schon bei Aufnahme in ein Krankenhaus bzw. bei Erstkontakt die Risikofaktoren eines Patienten erkennen und dann spezielle Hygienemaßnahmen bis hin zur Isolierung einleiten. Außerdem empfahl er in der eigenen Einrichtung Daten zu Infektionen zu erheben, zu bewerten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen festzulegen. Auch in der Pflege zentralvenöser Zugänge geht es darum, Infektionsrisiken zu reduzieren. Oliver Rothaug, Intensivpleger und Intensive Care Practioner aus Göttingen, berichtete über die Gefahren im Umgang mit dem ZVK. „Nicht benutzte Lumina sind eine Eintrittstelle für Bakterien, ebenso wie die Kathetereintrittstelle und die Katheterfixierung“, erklärte der Intensivpfleger. Er riet zu korrekter Händehygiene, zur Einhaltung der Regeln der Asepsis, Tunnel- statt Nahtfixierung, Vermeidung von Manipulationen am Katheter sowie Reinigung der Desinfektion der Punktionsstelle – und den ZVK sofort zu ziehen, wenn er nicht mehr benötigt werde.


Auch ein sonst in der Öffentlichkeit wenig diskutiertes Thema fand in der Veranstaltung Platz: die Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund. 15,4 Millionen Menschen aus anderen Kulturkreisen leben in Deutschland, von denen viele, wenn sie krank werden, aufgrund religiöser Unterschiede andere Pflegerituale brauchen. „In Sprachbarrieren, Glaubensprinzipien und kulturellen Unterschieden liegen die größten Herausforderungen für die Pflege, erklärte Ali Celik aus Krefeld in seinem Vortrag zur kultursensiblen Pflege. So sollten Muslime unter fließendem Wasser gewaschen und möglichst gleichgeschlechtlich gepflegt werden.


Gerade Prophylaxen sind ein Pflegethema, bei dem die Expertise der Pflegenden besonders wichtig ist. Gabriele Bartoszek vom Institut für Pflegewissenschaften aus Halle gab ein Update zur Evidenz: „Wir müssen unsere Rituale und das Gelernte hinterfragen und klären, was wirklich wirksam ist.“ Mit einigen Mythen müsse man abschließen.


In dem mit Spannung erwarteten letzten Vortrag ging so manchem im Saal ein Licht auf. In „Ich bin dein Patient, sprich menschlich mit mir!“ ging es um Menschlichkeit und Zuwendung. Gesprächstherapeutin Sandra Mantz gab Tipps zur authentischen Kommunikation mit dem Patienten: „Worte lassen sich nicht zurücknehmen. Seien Sie präzise und ehrlich.“


Mit der Fortbildung für Pflegende möchte die B. Braun-Stiftung ihren Beitrag zur Qualifizierung von Pflegenden leisten und ihnen den Austausch mit Referenten und Kollegen zu ermöglichen. Die Veranstaltung findet im Kasseler Kongress Palais statt. Die Programmplanung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion von Deutschlands größter Pflegefachzeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“.