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Unsere Presseinformationen auf einen Blick

30.04.2015

Nutzenbewertung (NUB): Wann ist ein künstliches Gelenk wertvoll für den Patienten?

Der Wert eines Medizinproduktes (MP) soll sich am Patienten orientieren. Dieser Meinung waren die Experten, die am 21. April in Berlin über die Neuordnung der NUB von MP im GKV-VSG diskutierten.

Der Wert eines Medizinproduktes soll sich am Nutzen für den Patienten orientieren. Maßgebend sind Therapieerfolg und Therapiesicherheit, aber wie gehen diese und andere Kriterien in eine Nutzenbewertung ein und wie kann die Bewertung für den Patienten aussehen? Dieser Frage ist die Veranstaltung „Der Wert von Medizinprodukten" der B. Braun-Stiftung und der Hochschule Neubrandenburg am 21. April in Berlin nachgegangen.

Gesundheitsökonomen, Ärzte, Politiker, Patienten und Hersteller diskutierten dort über die im Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) geplante Nutzenbewertung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden von Medizinprodukten mit hoher Risikoklasse und besonders invasivem Charakter des Eingriffs. Die Referenten waren sich einig darüber, dass die Sicherheit von Medizinprodukten im Interesse aller Beteiligten liegt und eine Nutzenbewertung Chancen bietet. Für eine weitergehende Nutzenbewertung von Eingriffen mit Verwendung von Medizinprodukten hoher Risikoklasse seien einheitliche Bewertungskriterien und eine präzise Wert- und Nutzendefinition notwendig. Die Nutzenbewertung beinhalte nicht nur das Messen und Festhalten von klinisch relevanten Studiendaten, sondern auch deren definierte Bewertung. „Bei der Bewertung von klinischen Effekten einer Technologie müssen die Entscheidungsgremien auf einheitliche Werturteile zurückgreifen. Aus diesem Grunde sollten die einzelnen Entscheidungsträger ihre Werturteile auf Basis von Patientenpräferenzen formulieren“, erklärte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Axel Mühlbacher aus Neubrandenburg.
 
Ähnlich wie bereits im ambulanten Sektor soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zukünftig entscheiden, ob eine Untersuchungs- und Behandlungsmethode mit Medizinprodukten hoher Risikoklasse und invasivem Charakter im Krankenhaus eine besondere Erstattung erzielt bzw. überhaupt eingesetzt wird. Die Referenten kritisierten unter anderem an dem Gesetzentwurf des GKV-VSG, dass nicht geklärt sei, welche Innovationen zukünftig auf ihren Nutzen hin geprüft werden sollen. Die Definition im Gesetzentwurf, nach der Hersteller und Krankenhäuser nur dann Studien vorlegen müssen, wenn die neue Methode auf einem neuen „theoretisch wissenschaftlichem Konzept" beruht und deren Anwendung „einen besonders invasiven Charakter aufweist", stehe noch aus. Außerdem mangelt es laut der Experten noch an Aussagen zur Systematik, Zielkriterien und weiterer Verwendung einer Nutzenbewertung. Auch könnten die vorgesehenen Zeitabläufe zu gering bemessen sein und es wird befürchtet, dass Medizinprodukt-Innovationen zukünftig später als bisher in den Markt gelangen.
 
Die Diskussion machte deutlich, dass der Nutzen von Medizinprodukten im Interesse aller Beteiligten liegt. Zwar hat jede Interessensgruppe ihre eigenen Wertvorstellungen, doch zeigt sich in den einzelnen Positionen eine ähnliche Herangehensweise: So liegt für die Vertreterin der Patienten, Dr. Siiri Doka von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, der Wert eines Medizinproduktes darin, dass es sicher ist, den Gesundheitszustand verbessert und für den Patienten zugänglich, sprich erstattungsfähig ist. Eine ähnliche Sichtweise zeigen die Krankenhäuser. Im Hinblick auf die Studien mit Medizintechnikprodukten stellen sich nicht nur Fragen zu den Studienkriterien, sondern auch der Umsetzung und des Evidenzgrades. Die Krankenkassen bemängeln, dass Medizinprodukte derzeit ohne Kontrolle in den Krankenhausmarkt gelangen. Sie fordern einen Nutzenbeweis den Vergleich des neuen Verfahrens mit bestehenden Behandlungsmethoden. Im Gegenzug sieht die DKG die jetzigen Regelungen für ausreichend. Sie befürchtet eine Schwächung der Innovationskraft des Systems.  Die Industrie sieht den Wert eines Medizinproduktes in seiner Bedeutung für die Patienten in Bezug auf Sicherheit und Herstellung des gewünschten Therapieerfolges. Der Wert einer entsprechenden Behandlungsmethode ergebe sich aus der Medizintechnologie an sich und weiteren wichtigen Faktoren wie z. B. Ausbildung und Fähigkeiten des Anwenders.

Dieses Gesetz wird unmittelbaren Einfluss auf die Vergütung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NuB Verfahren) haben. Vor diesem Hintergrund möchte die B. Braun Stiftung mit ihrem Forschungsprojekt zur Nutzenbewertung in der Medizintechnik eine Diskussionsgrundlage erarbeiten, zumal Kriterien und Verwendungslogik der Nutzenbewertung nicht geklärt sind. Weitere Plenumsveranstaltungen und Workshops werden folgen.

  • Termine der Workshopreihe zur Nutzenbewertung auf einen Blick

  • 22.07.2015 Workshop 1:

    Nutzenbewertung von Medizinprodukten: Messen von klinischen Effekten

    2.12.2015 Workshop 2:

    Nutzenbewertung von Medizinprodukten: Bewerten von klinischen Effekten

    20.04.2016 Plenumveranstaltung

    20.07.2016 Workshop 3:

    Nutzenbewertung von Medizinprodukten: Entscheiden über Entwicklung, Zulassung, Vergütung und Inanspruchnahme

    14.12.2016 Workshop 4:

    Prozesse der Nutzenbewertung: Abwägung von Evidenz, Risiko und Nutzen